Handwerk – Infos für Eltern
Eine Ausbildung im Handwerk ist kein Notnagel, sondern ein eigenständiger Karriereweg mit klaren Aufstiegsstufen, gesetzlich geregelter Vergütung und sehr guten Übernahmechancen.
Wie funktioniert die duale Ausbildung?
Der Ausbildungsvertrag wird bei der zuständigen Kammer eingetragen und geprüft. Ausbilder benötigen eine Ausbildungsberechtigung – in der Regel den Meisterbrief samt Ausbildereignungsprüfung. Bei Problemen im Betrieb sind die Ausbildungsberater der Kammern die richtige Anlaufstelle.
Was verdient mein Kind?
Seit 2020 gilt eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung. Wer 2026 beginnt, erhält im ersten Ausbildungsjahr mindestens 724 Euro brutto im Monat; in den Folgejahren kommen gesetzliche Zuschläge hinzu.
Tarifgebundene Betriebe zahlen meist mehr. Im Handwerk lag die tarifliche Vergütung 2025 im Durchschnitt bei 1.093 Euro brutto über alle Ausbildungsjahre. Zwischen den Gewerken gibt es erhebliche Unterschiede.
Ausbildung oder Studium?
Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten – aber einige Punkte sind sachlich klar:
- Einkommen von Anfang an: In der Ausbildung wird ab dem ersten Monat gezahlt, im Studium in der Regel nicht.
- Übernahmechancen: Im Handwerk fehlen Fachkräfte; viele Betriebe übernehmen ihre Auszubildenden.
- Gleichwertigkeit: Der Meisterbrief ist im Deutschen Qualifikationsrahmen auf derselben Stufe wie ein Bachelor eingeordnet.
- Durchlässigkeit: Ein Studium bleibt später möglich – mit Meisterbrief in der Regel auch ohne Abitur.
- Kein Ausschluss: Viele erfolgreiche Ingenieure und Unternehmerinnen haben mit einer Lehre angefangen.
Wie können Sie Ihr Kind unterstützen?
- Praktika ermöglichen – ein bis zwei Wochen sagen mehr aus als jede Broschüre.
- Beim ersten Kontakt mit Betrieben zuhören statt übernehmen. Betriebe achten darauf, wer spricht.
- Realistisch über Arbeitszeiten und körperliche Anforderungen sprechen, statt sie zu beschönigen.
- Bei Unsicherheit die Berufsberatung der Agentur für Arbeit oder die Handwerkskammer einbeziehen – beide Angebote sind kostenlos.
Ist der Betrieb seriös?
Ein paar einfache Prüfpunkte helfen:
- Der Betrieb ist Mitglied der Handwerkskammer und darf ausbilden.
- Der Ausbildungsvertrag wird schriftlich geschlossen und bei der Kammer eingetragen.
- Es gibt eine feste Ansprechperson für Auszubildende.
- Der Ausbildungsplan wird eingehalten, nicht nur Hilfstätigkeiten vergeben.
- Fragen Sie nach der Übernahmequote der letzten Jahre – seriöse Betriebe antworten offen.
Häufige Fragen
Hat mein Kind im Handwerk eine gute Zukunft?
Der Fachkräftemangel im Handwerk ist seit Jahren dokumentiert. Betriebe suchen Nachwuchs, und die Tätigkeiten lassen sich weder ins Ausland verlagern noch vollständig automatisieren.
Was verdient mein Kind in der Ausbildung?
Mindestens die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung – 2026 sind das 724 Euro brutto im ersten Jahr. Tarifgebundene Betriebe zahlen im Handwerk im Schnitt 1.093 Euro über alle Ausbildungsjahre.
Ist ein Meister mit einem Studium vergleichbar?
Im Deutschen Qualifikationsrahmen sind Meisterbrief und Bachelor auf derselben Stufe eingeordnet.
Kann mein Kind später noch studieren?
Ja. Mit Meisterbrief besteht in der Regel Hochschulzugang, auch ohne Abitur. Die Details regeln die Bundesländer.
Wer hilft bei Problemen in der Ausbildung?
Die Ausbildungsberatung der zuständigen Handwerkskammer. Sie vermittelt zwischen Betrieb und Auszubildendem und hilft auch bei einem Betriebswechsel.
Wie finde ich seriöse Ausbildungsbetriebe?
Über die Handwerkskammer, über Empfehlungen – und über Praktika. Betriebe, die Praktikanten gut betreuen, bilden meist auch gut aus.